Hamburger Markt für Gewerbeimmobilien 2020/21

DIE PANDEMIE BESCHLEUNIGT DEN STRUKTUR­WANDEL

Die aktuelle Krise wird die Innenstadt verwandeln und die Perepherie stärker in den Fokus rücken – wie mobiles Arbeiten und Pandemie den Markt für Gewerbeimmobilien beeinflussen. Ein Kommentar von Andreas Boberski, geschäftsführender Gesellschafter bei Zinshausteam & Kenbo. 

Das Kaufhof-Gebäude an der Mönckebergstraße ist das ehemalige Klöpperhaus und ein Beispiel für die nötige Wandlungsfähigkeit von City-Immobilien. Der Kaufmann Heinrich Adolf Klöpper hatte den Rotklinkerbau schräg gegenüber dem Hauptbahnhof 1913 vom Architekten Fritz Höger als Kontorhaus bauen lassen und hier ein Wollhandelshaus betrieben. Kaufhof hatte das heute 33.000 m² Nutzfläche große Gebäude Mitte der 1960er-Jahre gekauft, um nach Abriss ein neues Kaufhaus zu errichten. Da es Proteste aus der Bevölkerung gab, wurde das Kontorhaus zum Kaufhaus umgebaut.

Und heute ist es wieder so weit. Schon in den letzten Jahren war die Instandhaltung angesichts der unsicheren Zukunft vernachlässigt worden. Diese Unsicherheit ist nun vorbei. Der Kaufhof schließt spätestens am 31. Oktober seine Pforten. Für 33.000 m² in dieser 1-a-Lage wird es immer Nutzungen geben: wieder Büro – vielleicht als Co-Working-Konzept – und Wohnen und natürlich Einzelhandel mindestens im Erdgeschoss.

Ab Oktober autofrei
WANDEL AM

JUNGFERNSTIEG

© moka-studio 2019

Die Pandemie hat das Tempo des Strukturwandels im Einzelhandel nur erhöht. Und bei aller Tragik im Einzelnen, kann der nun entstehende Druck auf den Einzelhandel die nötige Diversifizierung der Innenstadt sinnvoll beschleunigen und die Attraktivität jenseits der Monofunktion Shopping erhöhen.

Das ist wichtig – gerade mit Blick auf das geplante Westfield Überseequartier in der HafenCity, das entwickelt wird, um die Menschen durch eine fein justierte Mischung aus Shopping, Entertainment, Elblage, Hotellerie und Gastronomie möglichst lange in dem Komplex zu halten, um die gut eine Milliarde Euro Investitionsvolumen zu refinanzieren. Doch wird es spannend sein zu beobachten, wie die aktuelle Krise des Einzelhandels, der Hotellerie und besonders der Kreuzschifffahrt auf das Großprojekt wirken, das letztlich seit 2007 auf seine Realisierung wartet.

Auch Büroflächen sollen im Westfield Überseequartier entstehen – und nicht nur dort. An den Elbbrücken, auf dem Grasbrook, in der Science City Bahrenfeld, im Neuländer Quarree sind Hunderttausende von Quadratmetern neuer Büroflächen geplant. Über all diesen Planungen schwebt nicht nur die aktuelle Konjunkturdelle, sondern auch die millionenfache Erfahrung des Homeoffice. In der Konsequenz denken erste Projektentwickler an flexible Bürostandorte nahe den Wohnquartieren – sowohl in den Hamburger Stadtteilen wie auch in der Peripherie, wie etwa Ahrensburg, Lüneburg oder Buchholz. Denn nicht jeder kann oder will zu Hause arbeiten. Büroflächen in Fahrradentfernung würden jedoch die Work-Life-Balance verbessern sowie die Verkehrsbelastung senken. Für die Performance eines Unternehmens bleibt das zentrale Büro in der City als Ort des Austausches und der Kommunikation alternativlos – aber eben nicht jeden Tag.

Ob das nun recht geschwind zunehmende mobile Arbeiten zu großflächiger Entmietung des Büroflächenbestands – und damit Leerstand – führt, oder ob die Umstrukturierung der Büros mit pandemietauglichen Abständen diese Entwicklung wieder kompensiert, vermag ich nicht zu sagen.

„Sicher ist, dass die Chance, Work and Life zu verändern, schon lange nicht mehr so groß war wie jetzt“

Andreas Boberski
Geschäftsführender Gesellschafter

Hamburger Immobilien­kompetenz

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